Type
Article
Title
Frankreichs Suche nach einem europäischen Narrativ
In
Integration
Editor
DE : Europa Union Verlag
Number
4
Pages
309 - 319 p.
ISSN
07205120
Abstract
FR
1er paragraphe : In regelmäßigen Abständen vermitteln die Wahlen zum Europäischen Parlament denEindruck, dass das Verhältnis der Französischen Republik zu Europa problematisch ist.1992 wurde der Vertrag von Maastricht mit knapper Mehrheit befürwortet. 1999 zeigtesich fast jeder zweite gewählte französische Europaabgeordnete den europäischen Verträ-gen gegenüber abgeneigt. 2005 setzte das ‚Non‘ der Franzosen beim Referendum demVertrag über eine Verfassung für Europa (Verfassungsvertrag) ein Ende. 2014 ist schließ-lich der Front National, eine rechtsextreme Partei, welche den Euro ablehnt, Sieger derEuropawahl, gemessen sowohl an der Anzahl der französischen Stimmen als auch derFrankreich zustehenden Sitze im Europäischen Parlament. In Anbetracht der historischenSchlüsselrolle, welche Frankreich beim Fortgang der europäischen Integration seit den1950er Jahren gespielt hat,1 überrascht diese Reihe von Ereignissen. Diese Häufung vonKrisen und Spannungen seit über 20 Jahren lässt vermuten, dass sie nicht nur die Ableh-nung der Exekutive oder die Sorgen der Bevölkerung in Anbetracht der wirtschaftlichenSchwierigkeiten des Landes ausdrücken. Vielmehr ist davon auszugehen, dass diese Skep-sis gegenüber Europa tiefer liegende Ursachen hat und unmittelbar mit dem französischenVerständnis von Europa zusammenhängt. Die französischen Eliten haben ein öffentlichesNarrativ zur Begründung der europäischen Integration geformt, das mit der Formel ‚Euro-pa der Macht‘ (‚Europe puissance‘) zusammengefasst werden könnte. Im Folgenden wirdder Inhalt dieses Narrativs dargestellt und verdeutlicht, inwieweit es sich abgenutzt hat,bevor die Schwierigkeiten thematisiert werden, das bestehende durch ein neues Narrativzu ersetzen

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